Aluminium: Zu dauerhaft, um als nachhaltig zu gelten?

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Aluminiumfenster haben viele Vorteile. Einer davon, vielleicht sogar der wichtigste: Sie halten länger als alle anderen Fenster, egal ob deren Rahmenmaterial aus Kunststoff oder Holzwerkstoffen besteht. Und nicht nur das: Bei Aluminiumrahmen ist damit zu rechnen, dass ihr Substrat – wenn es seinen Dienst in Gestalt von Fenstern erfüllt hat – an anderer Stelle und in anderer Form genutzt wird. Die Rückgewinnungsrate von Aluminium bei gewerblichen Bauten und Wohngebäuden liegt im europäischen Durchschnitt über 92 Prozent.

Trotzdem hält sich bis heute in einschlägig verfügbaren Empfehlungen für öffentliche Bauherren die Ansicht, dass Fensterrahmen aus Aluminium ungünstigere ökologische Bilanzen aufweisen als etwa solche aus PVC, weil bei der Herstellung von Aluminium sehr viel Energie verbraucht wird.

Diese Einschätzung ist nicht nur bei Fensterrahmen zu beobachten, sondern bei vielen anderen Baustoffen aus Aluminium. Sie ist auf einen Denkfehler zurückzuführen, dem sich auch Marcel Menet hier im Sustainblog gewidmet hat: Es zählen bei jenen zugrunde liegenden Ökobilanzierungen hauptsächlich die graue Energie bei der Herstellung und der Recyclinganteil im Produkt – Substrat inhärente Energiepotentiale werden aber nicht ausreichend berücksichtigt, geschweige denn der Habenseite gutgeschrieben.

Lange Lebensdauer wird nicht berücksichtigt

Ja, der Energieaufwand bei der Herstellung von Aluminium ist höher als bei anderen Baustoffen. Der geringe Anteil von Recyclaten ist aber vor allem darauf zurück zu führen, dass Aluminium meist erst nach Jahrzehnten wieder dem Zyklus zugeführt wird. Es hält eben zu lange – und diese lange Lebensdauer wird bei einer solchen Bewertung nicht berücksichtigt.

Doch ausserhalb der Schweiz ist in dieser Frage ein längst überfälliges Umdenken zu beobachten. In Europa werden als Grundlage für die ökologische Gebäudebewertung und der gesamten Umweltwirkungen vermehrt Umwelt-Produktdeklarationen (Typ III, verifiziert durch unabhängige Dritte in einem mehrstufigen Verfahren) gemäss ISO und CEN-Normung) in Anwendung gebracht, welche auch den Vorteilen von Aluminium eher gerecht werden (zu finden etwa auf der Webseite der Herstellervereinigung IBU bau-umwelt.de).

Doch auch das kann erst der Anfang sein. Denn in Wahrheit handelt es sich bei Aluminium ja um einen Baustoff, der oftmals gar nicht in den Stoffkreislauf zurückgeführt wird, sondern in seiner Form als bauliches Gebilde lediglich modifiziert oder geringfügig ergänzt wird. In diesen Fällen verbleibt in neuer Form und Funktion im renovierten Gebäude.

Dazu kommen noch die technischen Entwicklungen bei Umschmelzanlagen: Diese werden mittlerweile so konstruiert, dass für die Aufbereitung von beschichteten und Polymere enthaltenden Aluminiumabfällen keine oder nur begrenzte Vorbereitungsverfahren erforderlich sind. In Mehrkammer-Öfen werden zuerst die vorhandenen Oberflächenbehandlungen wie etwa Farbbeschichtungen weggebrannt, dann wird das Aluminium in der zweiten Kammer erhitzt. In flüssiger Form kann es dann direkt zu den Giessereien transportiert oder in Gussblöcke, Pressbolzen und Walzplatten gegossen werden, und ist damit bereit für eine neue Nutzung.

Aluminium als Energiespeicher

Auch das wäre höchst relevant für die korrekte ökologische Beurteilung für den eingangs als Beispiel eingeführten Fensterrahmen aus Aluminium. Die bei der Aluminiumproduktion investierte Energie bleibt nämlich im Metall gespeichert und ist auf Grund der natürlichen Korrosionsbeständigkeit des Materials bis zum Ende der Nutzungsdauer verwendbar. Durch effiziente Umschmelzprozesse wie oben beschrieben steht Aluminium dann schnell wieder als hochwertiges Metall zur Verfügung – zu einem Bruchteil des Energieaufwandes der Herstellung.

So wird deutlich, warum man bei der der Lebensspanne von Aluminiumprodukten nicht vom üblichen „Von-der-Wiege-zur-Bahre“-Zyklus ausgehen kann, sondern vielmehr von einem „Von-der-Wiege-zur-Wiege“-Prinzip. Jetzt müssen die Verantwortlichen nur noch den richtigen Blickwinkel einnehmen, der diesen Vorteilen endlich Rechnung trägt.

3 Kommentare

  1. Eines dürfen wir aber trotzdem nicht vergessen: Der Bedarf nach Aluminium ist weltweit so hoch, dass er nur zu einem geringeren Teil über Recycling gedeckt werden kann. Mehr als die Hälfte des Bedarfs wird mit Hüttenaluminiumg edeckt werden müssen. Daher muss man bei der Argumentation darauf achten, dass man nicht plötzlich damit beginnt recylcliertes Aluminium dem dem Hüttenaluminium vorzuziehen. Das ist sinnlos und die Qualität ist ohnehin identisch.
    Das nur als Anmerkung – der Text ist gut und wichtig!

  2. Sie verschweigen hier etwas: Die Herstellung von Aluminium verschlingt nicht nur Energie, sondern der Bauxit-Abbau zerstört die Umwelt und übrig bleibt giftiger Schlamm. DAS sollte man vielleicht auch bei solchen Berechnungen bedenken. Nur zur Erinnerung an diesen Vorfall hier nich ein Link:
    http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article10127438/Bauxit-Giftschlamm-in-Ungarn-hat-die-Donau-erreicht.html

    • Fest steht, dass Rotschlamm-Deponien nur dann ein Risiko darstellen, wenn man grundlegende Sicherheitsvorkerhungen ausser acht lässt. Und das ist bei dom von Ihnen verlinkten Fall geschehen, wo die Natronlauge nicht regelmässig abgepumpt wurde.
      Bei richtigem Umgang mit Rotschlamm werden die optimalen Bedingungen für die Entsorgung durch die weitestgehende Trennung der Erzrückstände von der Natronlauge geschaffen. Das wirkt sich in zweierlei Hinsicht positiv aus:
      1. Die Natronlauge kann im Sinne einer effizienten Kreislaufwirtschaft wiederverwendet werden.
      2. Die Erzrückstände enthalten, abgesehen vom Restalkaligehalt, keine weiteren industriellen Zusätze.
      Und nach Erreichen ihrer Kapazitätsgrenzen, sind Rotschlammdeponien rekultivierbar.

      Für weitere Informationen empfehlen wir Ihnen einen Blick in folgende Broschüre:

      http://www.aluinfo.de/index.php/fact-sheets.html?file=tl_files/_media/content/pdf/Fact_Sheets/Rotschlamm%20und%20Rotschlammdeponien.pdf

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