Nachhaltiges Bauen: Was die Ökonomen darüber denken

| Keine Kommentare

Unter dem Thema „Wirtschaft für nachhaltiges Bauen“ („Economy for Sustainable Construction“) wurde im April das 4. Internationale Holcim Forum für Sustainable Construction in Mumbai, Indien abgehalten, bei dem auch der Schweizer Wirtschaftsprofessor Lucas Bretschger zu Wort kam. Bretschger ist einer der wenigen Ökonomen, die sich mit dem Thema Nachhaltigkeit und nachhaltiges Bauen auseinander setzen. Die Zusammenfassung seines Referats ist nun auch online verfügbar.
Anhand einiger eindrucksoller Kennzahlen zeigt er, warum sein Berufstand mehr Aufmerksamkeit gerade auf dieses Thema legen sollte. So ist der Bausektor einer der grössten Energieverbraucher der Welt – in den meisten Ländern verbraucht er 40 Prozent der Primärenergie. Er produziert auch weltweit die meisten Treibhausgase, ist aber gleichzeitig verantwortlich für zehn Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts und bietet Beschäftigung für rund 111 Millionen Menschen. All diese Zahlen zeigen dem Experten, welch grosses Potenzial die Bauindustrie für die Wirtschaft, die Umwelt und die Gesellschaft in sich trägt.

Der heutige Bedarf an nachhaltigen Gebäuden Bertschgers Ansicht nach gross. Dabei sind aber der demografische Wandel, die wirtschaftlichen Veränderungen und die Veränderungen im Lebensstil und der Technologie, sowie die grossen Herausforderungen des Klimawandels, die Veränderungen der Energiepreise und Systeme und natürlich die damit verbundenen Massnahmen zu berücksichtigen.

All diese Dinge beeinflussen, so der Wirtschaftsexperte, die Rendite der Immobilien. Bretschger ist der Ansicht, dass die nachhaltige Entwicklung nicht durch den Mangel an Informationen, sondern durch das Fehlen von Anreizen und Spezialisten behindert wird. Für ihn spielen auch persönliche Vorlieben eine grosse Rolle. Nach wie vor bevorzugen viele Menschen geringere Investitionskosten gegenüber später geringeren Betriebskosten. Daher sei es wichtig, die zukünftigen Leistungen gegenüber den Kosteneinsparungen zu schätzen – bei sehr ungeduldigen Investoren könnte dies sonst ein Hindernis für grüne Investitionen sein.

Die direkten Vorteile von nachhaltigen Gebäuden liegen für den Experten auf der Hand: Einerseits die geringeren Kosten für Energie, Wasser und Wartung, andererseits die Produktivität, sowie die Gesundheit und das Wohlbefinden der Gebäudenutzer. Alles Potenziale, bei denen es zu überlegen gilt, wie man die Gewinne daraus ernten kann. Bretschger ist der Ansicht, dass es bei nachhaltigen Bauprojekten besonders wichtig ist, mit einem Team von Spezialisten zusammen zu arbeiten und alle Ideen schon in der Designphase inhaltlich zu verankern. Er ist überzeugt, dass erfolgreiche grüne Gebäude nur wenig mehr als andere Gebäude kosten.

Anhand eines speziell für die Schweiz entwickelten Modells demonstrierte der Schweizer Wirtschaftsprofessor beim 4. Internationalen Holcim Forum wie wichtig langfristiges Denken ist. Es zeigt, dass eine Politik, die eine strenge Kohlendioxid-Steuer verlangt, die wirtschaftliche Entwicklung eher hemmt, aber eine beeindruckende Wirkung im Bezug auf die Nachhaltigkeit zu haben. Die Umsetzung einer solchen Politik erfordere zwar finanzielle und technische Investitionen, aber diese rentieren sich am Ende, und die geringen negativen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung seien vernachlässigbar.

Als Mitglied der Schweizer Delegation bei den United Nations Climate Change Conferences COP 15 und 17 befürwortet Bretschger eine Vereinfachung der Verhandlungen rund um das Klima-Abkommen 2015. Seiner Ansicht nach ist es wichtig nicht zu viele Dinge zu tun, sondern sich eher auf ein paar wichtige Grundsätze zu konzentrieren, die für alle gelten.

Holcim Foundation: “Yes, we should care about this” – Lucas Bretschger»

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.