Projekt ENTRANZE: Auf der Suche nach den wirksamsten Hebeln, um nachhaltiges Bauen zu fördern

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Um Treibhausgasemissionen zu senken, muss unter anderem der Energieverbrauch (40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs) von Gebäuden deutlich verringert werden. Daher gilt der Ansatz, dass sehr viele Neubauten Niedrigstenergiebauten sein sollten und dass auch bei Sanierungen Mindestanforderungen an die Energieeffizienz greifen müssen, um das zu erreichen. Dabei machen die unterschiedlichen Klimazonen und Gesetzgebungen – auch hinsichtlich der Erfüllung von Nachhaltigkeitskriterien – allerdings verschiedene Ansätze notwendig.

Im von der EUgeförderten Projekt ENTRANZE (Policies to ENforce the TRAnsition to Nearly Zero-Energy buildings in Europe) untersuchen zehn europäische Projektpartner, welche Technologien sich für welches Land eignen und wie sie die europäische Gebäuderichtlinie am besten auf dem Markt durchsetzen lassen.

Der Frage, wie die verschiedenen Länder die Vorgaben am besten erfüllen können,  gehen unter anderen die ForscherInnen des Frauenhofer-Institut für System und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe nach. Das Institut ist neben dem Öko-Institut ein wichtiger Partner im EU-Projekt ENTRANZE. Clemens Rohde leitet das Geschäftsfeld Energieeffizienz am Frauenhofer ISI: „In ENTRANZE wird untersucht mit welchen politischen Instrumenten und mit welchen anderen unterstützenden Massnahmen die einzelnen Länder es schaffen, die europäische Gebäuderichtlinie umzusetzen, um für das jeweilige Land die beste Lösung zu erreichen.“

Die Karlsruher ForscherInnen arbeiten hierzu mit KollegInnen von der TU-Wien an Rechenmodellen, die es erlauben den zukünftigen Energiebedarf für die Gebäude in den EU-Staaten vorher zu sagen. Letztlich soll ENTRANZE konkrete Empfehlungen liefern: etwa welche gesetzlichen Vorgaben in den einzelnen Ländern sinnvoll sind, und wie sich durch finanzielle Anreize, aber auch durch Information und Aufklärung, die energetische Sanierung von Gebäuden fördern lässt.

Ab Mitte 2014 wollen die ForscherInnen erste Ergebnisse vorlegen. „Wir werden unsere Empfehlungsvorschläge mit den VertreterInnen der Politik aus den verschiedenen Ländern diskutieren und das Feedback der Akteure nochmal mitnehmen und unsere Empfehlungen dahingehend adaptieren, anpassen und verbessern. Letztendlich rechnen wir damit, Ende des Jahres mit den fertigen Empfehlungen an die Öffentlichkeit gehen zu können“, so Rohde.

Diese Empfehlungen werden für jeden EU-Staat anders aussehen. „Es wird für Europa nicht nur eine Richtung geben – wir werden ganz viele verschiedene Richtungen haben, die sich an den Rahmenbedingungen der einzelnen Länder orientieren d.h. die Politikempfehlung für Schweden wird ganz anders aussehen als die für Deutschland, Griechenland oder Spanien“, erklärt Rohde in diesem Zusammenhang. Grund hierfür sind klimatische Unterschiede zwischen den Ländern und auch Unterschiede in ihren Traditionen und rechtlichen Vorgaben.

Die Karlsruher ExpertInnen werden für die einzelnen Länder mehrere Politikszenarien durchspielen, damit verglichen werden kann, wie sich welche Variante auf den Energiebedarf auswirkt. Um möglichst realitätsnah simulieren zu können, haben die ENTRANZE-ForscherInnen für jedes Land ein Referenzgebäude definiert – einen 60er Jahre-Bau, der abhängig von regionalen Besonderheiten „virtuell saniert“ wird.

Rhode: “Der grosse Unterschied zwischen den Ländern ist, dass wir in Nordeuropa ein hohes Interesse daran haben, möglichst viel Sonnenlicht und Wärme in die Gebäude zu bekommen, um natürlich auch im Winter die Wärme der Sonne nutzen zu können, das spielt im Süden eine viel geringere Rolle, da liegt das Interesse darin, Fenster so zu konzipieren, dass die Wärme draussen bleibt.“ Alles Überlegungen, die die ENTRANZE-ForscherInnen in ihre Modelle einfliessen lassen müssen. Genauso wie Studien zum Investions- und Konsumverhalten in den einzelnen Ländern.

Die laufenden Publikationen zum Projekt geben Einblick in den Fortschritt der Forschung:

  • Es wurden Politikinstrumente für die Modernisierung von Gebäuden – von „harten“ Regulierungsmassnahmen über verschiedene finanzielle Förderansätze bis hin zu „sanften“ Anreizsystemen – untersucht (Ergebnisse).
  • In einer weiteren Untersuchung wurden die Politikmassnahmen der EU-Mitgliedsstaaten zur Erhöhung der Anzahl von Niedrigstenergiegebäuden dokumentiert und bewertet (Ergebnisse).
  • Im Rahmen einer Literaturstudie wurden energiewirtschaftliche Simulationsmodelle für den Gebäudesektor untersucht (Ergebnisse).

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