UN-Leitfaden: Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche erhält zentrale Bedeutung

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Die Finanz-Initiative des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP-FI) veröffentlichte kürzlich den Managementleitfaden „Sustainability Metrics“, der die weltweiten Akteure der Immobilien-, Finanz- und Versicherungswirtschaft dabei unterstützen soll, Nachhaltigkeit auf allen Handlungsebenen in die Unternehmensstrategie einzubinden.

Ziel des Leitfadens ist es, die gesamte Immobilienbranche langfristig nachhaltig aufzustellen. Diese Nachhaltigkeit soll nicht nur umweltverträglich und nutzerfreundlich sein, sondern auch vermögenserhaltend. „Nachhaltigkeit in der Immobilienbranche ist nicht nur ein gesellschaftspolitisches Ziel, sondern schafft auch einen finanziellen Mehrwert für Unternehmen“, erklärt David Lorenz, Experte im Fachgebiet Immobilienwirtschaft des KIT (das Karlsruher Instituts für Technologie war federführend am Projekt beteiligt) in diesem Zusammenhang. Lorenz hat gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Lützkendorf die wissenschaftlichen Grundlagen für „Sustainability Metrics“ erarbeitet und den Inhalt wesentlich mitgestaltet.

Ökobilanz als massgebliches Kriterium für Nachhaltigkeit

Die Wissenschaftler stellten fest, dass neben Schall- und Wärmeschutz vor allem auch die Ergebnisse einer Ökobilanz sowie die Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit von Baumaterialien zu den massgeblichen Nachhaltigkeitskriterien für die Immobilienbranche zählen. Weiter untersuchten sie, wie sich diese Nachhaltigkeitsaspekte auf die ökonomischen Erfolgsfaktoren auswirken bzw. welche Hürden beim Umsetzen der Nachhaltigkeitsstrategien für die Unternehmer entstehen. Dahingehend wurden Handlungsempfehlungen, untermauert von bewährten Praxisbeispielen, entwickelt. Die 24 Best-Practice-Empfehlungen im Managementleitfaden zeigen, wie die Immobilienbranche den Nachhaltigkeitsgedanken in bestehende Geschäftsprozesse und -methoden einbinden und davon profitieren kann.

Laut Einschätzung der Experten besteht die grösste Herausforderung darin, nachhaltigkeitsrelevante Daten systematisch zu erheben, unternehmensintern zu bündeln und an international vergleichbaren Standards auszurichten. „Wir brauchen verbindliche Standards, um Immobilien branchenweit beschreiben, vergleichen und umfassend bewerten zu können“, sagt Lorenz. Die Energieeffizienzrichtlinie der Europäischen Kommission sei hierfür ein guter Anfang, jedoch müsse zukünftig noch stärker untersucht werden, ob und in welchem Ausmass bestimmte Nachhaltigkeitsmerkmale den Wert von Immobilien beeinflussen.

Im Zuge der wissenschaftlichen Erarbeitung des Managementleitfadens wurde eine Onlineerhebung durchgeführt. Dieser zu Folge führen 81 Prozent der Immobilienunternehmer und Wertermittler einen „Nachhaltigkeits-Check“ durch, jedoch nur 16 Prozent erfassen und nutzen diese Informationen auch strategisch. „Unzureichende Dokumentations- und Kommunikationsstrukturen verhindern, dass Nachhaltigkeitsmerkmale in die Entscheidungen der Unternehmensspitze einfliessen und zu Zielvorgaben für neue Investitionen werden“, erklärt Lützendorf. Dabei seien es gerade Eigenschaften, wie Energieeffizienz, die Qualität der Raumluft oder die Lebensdauer von Bauprodukten, die Betriebs- und Instandhaltungskosten senken, Nutzerkomfort und Gesundheit fördern und den Marktwert einer Immobilie auch längerfristig sichern.

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