LEED-Label: Wann sich eine Zertifizierung auch in der Schweiz lohnt

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Die vom U.S. Green Building Council herausgegebene Leed-Zertifizierung (Leadership in Energy & Environmental Design) ist in der Schweiz bisher noch nicht weit verbreitet, wird aber unter manchen Bedingungen immer wichtiger, wie Lukas Knecht in einem NZZ-Artikel schreibt. Vorrangig bei global aufgestellten Unternehmen und Investoren werde die US-Amerikanische Zertifizierung immer mehr zum Standard. Denn für diese ist es wichtig nach einem international akzeptierten System zu bauen bzw. zu investieren.

Einer der wesentlichsten Gründe ist die von den USA ausgehende Anforderung an international tätige Unternehmen, Immobilien nach “Corporate Social Responsibility”-Kriterien anzumieten. Diese Kriterien sind im Leed-System verankert. Während eine wachsende Zahl von Nachhaltigkeits-Labels unterschiedlicher Ausrichtung konkurriert, hat sich Leed bei vielen international tätigen Konzernen als Standard für die Büroanmietung oder für das Benchmarking für Immobilienportfolios etabliert.

Dabei soll und kann Leed die in der Schweiz meist angewendeten Minergie-Standards natürlich nicht ersetzen. Das Leed-System spricht vor allem internationale Mieter und Investoren an, die nicht mit nationalen Labels arbeiten. Denn Gebäudezertifizierungen sind zwar ökologisch und versprechen auch hohe Qualität, werden aber im kommerziellen Geschäft erst vorgenommen, wenn sie sich rechnen. Zu den Anreizen zählen Kostensenkungen in Betrieb und Unterhalt, höhere Nutzungsqualität und in der Regel höhere Mieterlöse. Zusätzlich gewähren Investoren bei zertifizierten Bauwerken einen Abschlag auf dem Diskontsatz, was den Wert der Gebäude erhöht. Die zunehmende Verbreitung macht Zertifizierungen zu einem strategischen Marketinginstrument für internationale Mieter und für Investoren, für die die Plakette eine Bedingung ist.

Weltweit wurden bisher rund 37 000 Gewerbeimmobilien nach Leed zertifiziert, in der Schweiz bisher 15, weitere 16 sind momentan angemeldet, so Knecht. Die häufigste Nachfrage erfährt das Label bei Neubauten und grossen Renovierungen, eher selten für den Mieterausbau. Für die Revitalisierung von bestehenden Gebäuden gewinnt das LEED-EBOM-Label (Existing Buildings Operations and Maintenance) in der Schweiz zusehends an Bedeutung.

Kein Vorteil, wo nicht auch ein Nachteil

Dem Vorteil der globalen Vergleichbarkeit steht der Nachteil unterschiedlicher nationaler Normen, Standards und Kulturen gegenüber. Sämtliche Werte sind bei der Eingabe der Daten auf amerikanische Normen umzurechnen. Dokumente müssen so weit zu übersetzt werden, dass es den Prüfern möglich ist, diese zu beurteilen. Die Anpassung an lokale Normen und Standards wurde bereits für einige Länder durchgeführt (z. B. Indien und Italien). Auf eine starke Verbreitung nationaler Normierungen darf dennoch nicht gehofft werden, da das Green Building Council derartige Anfragen bisher häufig mit dem Hinweis auf zu hohen Aufwand ablehnte. Lichtblick: Mit dem Zusatz “Alternative Compliance Path” werden spezifische nationale Normen anerkannt, sofern diese gleich streng oder strenger als Leed sind. Praxisbezogen, so Knechts Fazit, ist es aber zumeist einfacher, die US-Normen zu erfüllen.

Mehr: Artikel von Lukas Knecht als PDF

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