Green Buildings: Ist der Markt bereit mehr für sie zu bezahlen?

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Immer mehr beschäftigt die Frage, inwieweit der Markt dafür bereit ist, in die Zertifizierung von Baustoffen und Gebäuden zu investieren. Es deutet vieles darauf hin, dass europäische Bauwirtschaft und Bauherren zunehmend und bewusst Entscheidungen für nachhaltige Bauweisen treffen. Und das, obwohl einige Lösungen teurer sind. Dies betrifft aber vorrangig nur die Bauphase.

Baustoffhersteller und Bauunternehmer haben sich in den vergangenen Jahren intensiv damit beschäftigt nachhaltige Produkte, Systeme und Arbeitsmethoden zu entwickeln, wie in diesem Artikel auf Construction21 zusammengefasst dargestellt wird. Um diese Bemühungen auf eine neutrale und objektive Art und Weise zu bewerten wurden auch unterschiedliche  Zertifizierungssysteme entwickelt.

Andrew Ferdinando, Architekt bei LKS Klima in Arrasate-Mondragon, Spanien, sagt: „Weltweit gesehen, wird das nordamerikanische System „Leadership in Energy and Environmental Design“ (LEED) am häufigsten eingesetzt.“ EU-weit sei laut Ferdinando aber “Building Research Establishment Environmental Assessment Methodology“ (BREEAM) das am meisten anerkannte Zertifikat. Dieses System wurde ursprünglich für das Vereinigte Königreich entwickelt.

Ferdinandos Unternehmen beteiligt sich auch an einem europäischen Forschungsprojekt (Breakthrough Solutions for Adaptable Envelopes in building Refurbishment – BRESAER), bei dem neue Technologien entwickelt werden, die den Primärenergieverbrauch und von Treibhausgasemissionen von Gebäuden reduzieren sollen. Ziel ist es, die Wohnqualität durch thermischen  und akustischen sowie Beleuchtungs- und Belüftungskomfort zu verbessern. Ferdinando unterstreicht auch die Wichtigkeit, solche Systeme schon früh in den Entwicklungsprozess mit einzubeziehen. „Die Implementierung der Zertifizierung in einem frühen Stadium ist der Schlüssel zur Reduzierung der Kosten, da es anfängliche Design-Lösungen beeinflusst.“

Benny De Blaere, Generaldirektor bei der belgischen „Construction Certification Association“ (BCCA)  in Brüssel, ist der Ansicht, dass Zertifizierungen den Endverbraucherpreis nicht erhöht haben: „Anstatt der technischen Zertifizierung wurden nicht zertifizierte Materialien vom Markt genommen.“ Er fügt hinzu: “In Belgien startete die technische Qualitätszertifizierung mit freiwilligen Anstrengungen und Vereinbarungen der Materialhersteller. Für sie wurde die Entwicklung eines eigenen Qualitätskontrollsystems genau so teuer, wie eine externe Zertifizierung.“

Ton Jans, Direktor bei Komo certification foundation in Gouda, Niederlande, hält fest, dass eine zunehmende Zahl von Architekten, Bauunternehmern und deren Kunden Nachhaltigkeitskriterien in ihre Arbeitsspezifikationen einschliessen. “Vor allem institutionelle Immobilien-Entwickler bevorzugen zertifizierte Gebäude. Denn diese Gebäude können höhere Preise erreichen, wenn sie verkauft werden. Unabhängig von den ursprünglichen Baukosten, sind die Instandhaltungs- und Energieverbrauchskosten während ihres gesamten Lebenszyklus niedriger.”

“Die öffentliche Hand und andere institutionelle Bauherren haben die Führung übernommen, wenn es um die Entscheidung für eine nachhaltige Zertifizierung geht”, bestätigt De Blaere. “Junge Bauherren folgen ihrem Beispiel, solange die zusätzlichen Kosten für die Zertifizierung ihre finanzielle Obergrenze nicht überschreiten. Für Nicht-Profis ist es fast unmöglich herauszufinden, wie viel individuelle nachhaltige Massnahmen in der Gesamtwertung der ganzheitlichen Systeme tatsächlich zählen. Für den Endverbraucher könnten spezifischere Zertifizierungssysteme nützlicher sein.“

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