“Wir haben gar keine andere Wahl, als nachhaltig zu bauen”

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In einem aktuellen Interview spricht Prof. Werner Lang von der Technischen Universität München, Lehrstuhl für energieeffizientes und nachhaltiges Planen und Bauen, über die Auswirkungen des Bauwesens auf die Umwelt, den Einfluss des Klimawandels auf das Bauwesen sowie die Relevanz von nachhaltigen Gebäuden.

So ist laut Lang das Bauwesen für rund 40 Prozent des CO2-Ausstosses und des Energieverbrauchs und für weit mehr als die Hälfte des Abfallaufkommens verantwortlich. Energieverbrauch und vor allem Materialverbrauch seien im Bauwesen enorm – ein effizienterer Umgang mit den Ressourcen wäre notwendig. Als Stellschrauben für die Verringerung der hohen Umweltbelastung identifiziert er einerseits die Energieeffizienz, sprich die Gebäude müssten so gebaut werden, dass der Bedarf an fossilen Energien möglichst gering ist – andererseits müsse der Fokus auf die Auswirkungen bestimmter Baustoffe und Bauprozesse gelegt werden.

Als Beispiel führt Lang das Passivhaus an:

„Der Energieverbrauch für den Betrieb beträgt 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Gebäude aus den 70er-Jahren verbrauchen um die 250 bis 300 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Aber beim Passivhaus ist der Energiebedarf bei der Errichtung höher als bei herkömmlichen Gebäuden. Es ist mehr Wärmedämmung nötig, die Gebäudetechnik ist aufwändiger. Wir verbauen demnach mehr Materialien, und es drängt sich schnell die Frage auf: Wo ist der Punkt, an dem ich mehr Energie in die Erstellung investieren muss als ich während des Betriebs wieder einspare“.

Für Lang scheint es daher mehr als sinnvoll, zu überlegen, wie das Gebäude über seine Lebensdauer möglichst viel Energie selbst produzieren kann. Nur so könne es auch einen positiven ökologischen Fussabdruck hinterlassen.

Auf die Frage, ob sich nachhaltiges Bauen durchsetzen wird, nimmt der Professor Bezug auf die Folgen des Klimawandels, die bereits heute tausende von Leben fordern und durch Extremwettereignisse hohe wirtschaftliche Schäden anrichten.

 „Ich glaube, wir können es uns gar nicht leisten, nicht nachhaltig zu bauen. Wir können gar nicht anders, als dazu beizutragen, dass unser Klima stabilisiert wird.“

Hierzu müsse laut Lang intensiv nach Massnahmen gesucht werden, mit denen dem  voranschreitenden Klimawandel entsprechend begegnet werden kann. „Wir müssen  Themen wie Energieeffizienz, aber eben auch Klimawandelanpassung sehr ernst nehmen und schon heute handeln.“ Im Vordergrund der Überlegungen des Professors steht, wie sich die Anforderungen an die Gebäude verändern werden:

„Ich entwerfe und baue ein Gebäude und übersehe dabei völlig, dass dieses Gebäude 60 Jahre steht. Ich habe mir Fragen gestellt, wie: Dämmen wir womöglich schon zu viel? Steigt nicht unter Umständen der Kühlenergiebedarf in den nächsten Jahren? Das heisst, das was ich mir im Winter an Wärmeenergie einspare, verpulvere ich im Sommer, weil mein Gebäude so gut gedämmt ist, dass ich die Wärme aus dem Haus gar nicht mehr abführen kann. Da war für mich klar, dass wir Forschung brauchen, um zu sehen, wie sich das Klima entwickelt und wie wir darauf reagieren können.“

Passend zu diesen Überlegungen hat das Bayerische Umweltministerium eine Anfrage an die TU München gestellt. Das Anliegen war, einen gesamtheitlicheren Ansatz zum Klimawandel zu verfolgen. Gemeinsam wurde das Zentrum für nachhaltiges Bauen gegründet – ein Zusammenschluss von Lehrstühlen aus drei Fakultäten: Architektur, Bau Geo Umwelt sowie Elektro- und Informationstechnik. Derzeit gibt es fünf Forschungsprojekte, an denen gearbeitet wird. Ziel des Zentrums ist es, Synergieeffekte zwischen den Projekten zu nutzen und nicht isolierte Einzelforschung zu betreiben.

Das ganze Interview kann hier nachgelesen werden.

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