Antiker Beton war nicht nur besonders langlebig – seine Herstellung könnte auch heute als Vorbild für klimafreundlicheres Bauen dienen. Doch wie nachhaltig ist das römische Baumaterial wirklich, wenn man es mit heutigen Technologien produziert?

Eine neue Studie von Martinez, Miller und Monteiro in iScience wirft einen systematischen Blick auf die Umweltwirkung antiker römischer Betontechniken – und zieht überraschende Schlüsse. Zwar gilt römischer Beton als extrem langlebig und resistent gegen Umweltbedingungen, doch seine Umweltbilanz ist differenzierter zu betrachten, sobald moderne Produktionsmethoden ins Spiel kommen.
Nicht per se nachhaltiger
Die Studie zeigt: Wird römischer Beton mit heutigen Mitteln produziert, ist der Energieaufwand häufig höher als bei moderner Betonherstellung – insbesondere bei Mörtelmischungen mit viel Kalk (1:2-Verhältnis). Erst bei Mischungen mit geringeren Bindemittelanteilen (1:4) oder bei Nutzung von erneuerbaren Energien sinkt der CO₂-Fussabdruck – zum Teil um bis zu 12 % im Vergleich zu herkömmlichem Beton.
Ein bedeutender Vorteil des römischen Betons liegt jedoch in seiner Langlebigkeit. Hält eine Konstruktion zwei- bis dreimal länger, reduziert sich der Materialbedarf und damit auch der Emissionsausstoss über den Lebenszyklus deutlich. Vor allem im Strassen- und Infrastrukturbau könnte dies eine Rolle spielen.
Vorteile bei Luftschadstoffen – und ein Blick in die Zukunft
Neben CO₂ untersucht die Studie auch Emissionen wie Stickoxide, Schwefeldioxid und Feinstaub. Hier punktet römischer Beton: Bei elektrischer Herstellung sinken NOx- und SOx-Emissionen um bis zu 98 %. Auch der Einsatz von Biomasse, wie sie die Römer nutzten, wird als potenziell wirksame Dekarbonisierungsstrategie genannt.
Gleichzeitig betont die Studie, dass moderne Betone deutlich höhere Frühfestigkeiten und Druckfestigkeiten erreichen und besser für bewehrte Konstruktionen geeignet sind. Rein funktional lässt sich römischer Beton daher nicht einfach als Ersatz verwenden.
