Was in Forschungslaboren entsteht, findet Schritt für Schritt den Weg in reale Bauprojekte. Adaptive Aluminiumfassaden setzen in der Schweiz erste sichtbare Zeichen – von Pionierbauten bis hin zu ambitionierten Pilotfassaden.
Forum Chriesbach – automatisiert und energieautark
Das Forum Chriesbach in Dübendorf, Sitz von Eawag und Empa, zeigt seit Jahren, wie Fassaden aktiv zum Gebäudebetrieb beitragen können. Die Ostfassade ist mit blauen Glaslamellen ausgestattet, die sich automatisch der Sonneneinstrahlung anpassen: Im Sommer sorgen sie für Verschattung, im Winter lassen sie Licht und Wärme herein. Das Gebäude kommt fast ohne klassische Heiz- und Kühltechnik aus, eine Photovoltaikanlage deckt rund ein Drittel des Strombedarfs (pocacito.eu, zhaw.ch).
Solskin: Vom Prototyp zur grossen Fassade
Mit dem Solskin-System bringt das Zürcher Startup Zurich Soft Robotics adaptive Fassadentechnologie in die Praxis. Für die KELLER Druckmesstechnik AG in Winterthur entsteht derzeit eine 88 Meter lange Fassade mit rund 3 500 individuell steuerbaren Modulen. Jedes Modul kann je nach Sonnenstand und Witterung seine Position ändern, um Strom zu erzeugen, zu verschatten oder Tageslicht gezielt ins Gebäude zu lenken. Die Aluminiumträger sorgen für Leichtigkeit, Stabilität und Langlebigkeit.
Aluminium im zirkulären Praxis-Kontext
Neben seiner technischen Eignung punktet Aluminium in der Baupraxis mit Nachhaltigkeitswerten:
- Leichtbau reduziert statische Belastungen
- Korrosionsbeständigkeit senkt Wartungsaufwand
- Rezyklierbarkeit unterstützt Kreislaufbauweisen und Wiederverwendung
Gerade in modularen Systemen wie Solskin können Bauteile nach Ende der Nutzung nahezu vollständig ins Materialrecycling zurückgeführt werden.
Mit Projekten wie dem Forum Chriesbach und Solskin-Fassaden steht die Schweiz erst am Anfang der breiten Anwendung adaptiver Aluminiumhüllen. Die Verbindung von Energieeffizienz, Nutzerkomfort und Kreislaufgedanken macht die Technologie besonders zukunftsfähig – und eröffnet der Bauwirtschaft neue gestalterische und ökologische Spielräume.
