Mit klarer Mehrheit verlangt das Parlament, dass der Bund künftig noch konsequenter auf nachhaltige Baustoffe setzt. Damit soll die öffentliche Hand eine Vorbildrolle übernehmen und der Schweizer Bauwirtschaft Impulse geben.
Am 9. September hat der Nationalrat mit 141 zu 53 Stimmen einer Motion seiner Umwelt-, Raumplanungs- und Energiekommission zugestimmt. Der Ständerat hatte bereits in der Sommersession grünes Licht für die gleichlautende Vorlage gegeben. Der Bundesrat unterstützt das Anliegen und ist nun beauftragt, konkrete Schritte einzuleiten.
Öffentliche Hand als Treiberin
Die Mehrheit im Nationalrat betonte, dass der Staat als einer der grössten Auftraggeber im Bauwesen die Märkte entscheidend prägen könne. Wer nachhaltige Materialien wie Holz aus Schweizer Produktion, recyclierbares Aluminium oder CO₂-reduzierten Beton einsetze, leiste nicht nur einen Beitrag zu den Klimazielen, sondern stärke auch die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie.
Gerade Stahl- und Zementproduzenten seien darauf angewiesen, dass rasch Absatzmärkte für ihre klimafreundlicheren Produkte entstünden. Das 2023 angenommene Klimaschutzgesetz setze ambitionierte Vorgaben – nun brauche es eine beschleunigte Umsetzung.
Widerstand ohne Mehrheit
Eine Minderheit aus SVP-Vertretern sowie FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen lehnte die Motion ab. Sie argumentierte, die Nachhaltigkeit sei bereits heute ein fester Bestandteil des öffentlichen Beschaffungswesens. Durchsetzen konnte sich diese Haltung jedoch nicht.
Nachhaltige Bundesbauten als Vorbild
Der Bund investiert jedes Jahr mehrere Hundert Millionen Franken in zivile und militärische Bauprojekte. Viele davon sind bereits nach klar definierten Nachhaltigkeitskriterien ausgerichtet: möglichst geringer Energie- und Platzverbrauch, ressourcenschonende Bauweise und CO₂-armer Betrieb.
Ein Beispiel ist das Verwaltungszentrum «Meielen Nord» in Zollikofen, das 2024 mit dem Label Minergie-P-ECO sowie dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz Platin ausgezeichnet wurde. Dort sorgen Holz, moderne Haustechnik und eine dichte Anbindung an den öffentlichen Verkehr für eine positive Klimabilanz.
Hier ein aktueller Beitrag aus «Rendez-vous» zum Projekt «Meielen Nord»:
Signal an die Bauwirtschaft
Trotz solcher Vorzeigeprojekte haben nachhaltige Materialien in der Baupraxis noch nicht den Durchbruch geschafft. Gründe sind höhere Kosten und begrenzte Verfügbarkeit. Mit der nun angenommenen Motion will das Parlament den nötigen Schub geben.
Die Bauwirtschaft steht damit vor der Herausforderung, innovative Produkte in grösserem Massstab verfügbar zu machen. Für die Politik ist klar: Der Bund soll seine Rolle als grosser Bauherr nutzen, um die Branche in Richtung Klimaziele zu bewegen.
