Klimaneutralität bis 2050 – was bedeutet das konkret für ein Gebäude? Seit Mitte März 2026 gibt es eine verbindliche Antwort: Minergie hat einen messbaren, zertifizierbaren Standard für Netto-Null-Gebäude lanciert. Er bilanziert den gesamten Lebenszyklus und verlangt mehr als gute Absichten.
Vom Versprechen zum Prüfwert
«Netto-Null» stand bisher vor allem in Klimastrategien und Regierungsprogrammen. Für Architekten und Bauherrschaften fehlte ein klarer Massstab: Wann gilt ein Gebäude wirklich als klimaneutral? Genau diese Lücke schliesst Minergie mit dem neuen Standard. Am 12. März 2026 wurde er in Zürich vor rund 180 Fachleuten lanciert. Das Versprechen ist eindeutig: Der Standard bietet einen transparenten und glaubwürdigen Rahmen, um die Klimabilanz eines Gebäudes über seinen gesamten Lebenszyklus auf null zu bringen.
Drei Schritte zum Netto-Null-Gebäude
Das Herzstück von Minergie-Netto-Null ist ein dreistufiger Ansatz:
- Vermeiden: Treibhausgasemissionen werden bei der Erstellung und im Betrieb so weit wie möglich gesenkt. Für Neubauten gilt als Basis ein Minergie-P-ECO- oder Minergie-A-ECO-Standard.
- Speichern: Im Gebäude gebundener Kohlenstoff – etwa in Holz, Stroh oder angereichertem Beton – wird von der Treibhausgasbilanz abgezogen.
- Ausgleichen: Die verbleibenden Emissionen werden über geprüfte Negativemissionszertifikate kompensiert. Die CO₂-neutrale Bilanz gilt dann für 60 Betriebsjahre.
Entscheidend: Dieser Ansatz integriert erstmals auch die grauen Emissionen der Baustoffe – und ist damit strenger als die in den kommenden Jahren in Kraft tretenden gesetzlichen Anforderungen.
Anforderungen und Kosten im Überblick
Minergie-Netto-Null richtet sich an Vorreiter: Nur Gebäude, die bereits hohe energetische Standards erfüllen, können das Label erreichen. Für Sanierungen genügt ein Minergie-Zertifikat als Basis. Der Standard ist ausserdem kompatibel mit dem SNBS-Hochbau Gold.
Der Ausgleich der Restemissionen kostet rund 250 Franken pro Tonne CO₂ – in der Praxis entspricht das etwa einem bis zwei Prozent der Bausumme. Die Zertifikate finanzieren Projekte, die CO₂ dauerhaft aus der Atmosphäre entfernen, aktuell primär Pflanzenkohle-Projekte in der Schweiz und weiteren Ländern.
Was das für die Planung bedeutet
Für Architektinnen und Architekten erzwingt der Standard genau das, was viele schon länger fordern: eine konsequente Betrachtung grauer Emissionen von Beginn der Planung an. Je emissionsärmer die gewählten Baustoffe, desto günstiger fällt die Bilanz aus – und desto geringer die Kosten für den Zertifikateausgleich. Die Materialwahl wird damit direkt wirtschaftlich relevant.
Für Bauherrschaften, die heute ambitionierte Klimaziele haben – Kantone wie Basel-Stadt wollen Netto-Null bereits 2037 erreichen – liefert Minergie-Netto-Null erstmals ein verlässliches, geprüftes Instrument. Nicht als bürokratische Hürde, sondern als Planungshilfe und Qualitätssicherung in einem.
