Vom 20. bis 22. April 2026 fand am SwissTech Convention Center der EPFL der Sustainable Buildings and Construction Summit 2026 statt. Mehr als 500 Teilnehmende aus 65 Ländern berieten, wie der globale Bausektor rasch auf Klimaneutralität umgestellt werden kann. Gastgeber waren die EPFL und das UN-Umweltprogramm (UNEP), das auch das Sekretariat der Global Alliance for Buildings and Construction (GABC) führt.
Lausanne als internationale Bühne
Die Schweiz nutzte den Anlass, um ihre Rolle in der internationalen Kooperation für nachhaltiges Bauen zu unterstreichen. Botschafter Christian Frutiger, stellvertretender Direktor der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), eröffnete das Plenum mit einer klaren Standortbestimmung: Die globalen Emissionen hätten 2025 einen Rekordwert erreicht, und der Bausektor sei einer der entscheidenden Hebel, um diesen Trend umzukehren. Stéphanie Lacour, Vizepräsidentin der EPFL für strategische Initiativen, betonte den systemischen Charakter der Transformation: Forschung, Bildung und skalierbare Lösungen — von der Energie über die Materialien bis zur Wiederverwendung — müssten konsequent zusammengedacht werden.
Klimaneutralität bis 2050 als Richtschnur
Im Zentrum stand das Ziel, den globalen Gebäudepark bis 2050 klimaneutral zu betreiben. Dafür braucht es laut den Referentinnen und Referenten neue Baustandards mit tiefem CO₂-Fussabdruck, die Weiterentwicklung von Materialien wie emissionsarmem Zement sowie bioklimatisches Bauen. Besonders prominent war die Forderung, Gebäude so zu planen, dass sie auch bei zunehmenden Hitzewellen ohne energieintensive Klimatisierung bewohnbar bleiben — Kühlen dürfe nicht zum neuen Stromfresser werden.
Normen, Regulierung, Finanzierung
Mehrere Länder gaben Einblick in ihre Fortschritte: In China erreichen bereits rund 30 Prozent der Neubauten sehr tiefe Energieverbrauchswerte, die Türkei strebt eine Reduktion des Gebäudeenergieverbrauchs um 30 Prozent an. Einigkeit herrschte darüber, dass gemeinsame internationale Standards und ein für Investoren finanzierbares Regelwerk entscheidend sind. Deutschlands Ministeriumsvertreter Frank Wolke brachte es auf den Punkt: Ambitionen müssten in reale Investitionen übersetzt werden — die Transformation sei technisch möglich, aber nur mit massiver Finanzierung realisierbar.
Passive Kühlung und resiliente Städte
In den technischen Workshops wurden konkrete Ansätze vertieft. Das Programm «Be Cool» des GABC-Sekretariats adressiert die über 500 Millionen Menschen, die heute zeitweise Temperaturen von mehr als 50 °C ausgesetzt sind. Neben passiver Kühlung standen kompakte, nutzungsdurchmischte und begrünte Städte im Fokus — Stichwort «Stadt der kurzen Wege». Ein von UN-Habitat gefördertes Rahmenwerk für nachhaltige Stadtplanung wurde bereits von 33 Städten unterzeichnet.
Ausblick: Von Lausanne nach Antalya
Der Gipfel mündet in ein konkretes Massnahmenpaket, das am nächsten technischen Treffen des Intergovernmental Council for Buildings and Climate (ICBC) — co-präsidiert von Frankreich, Kenia und Brasilien — konsolidiert wird. Die COP31 vom 9. bis 20. November 2026 im türkischen Antalya soll dann den «Buildings Breakthrough» politisch verankern. Die Botschaft aus Lausanne war eindeutig: Die Technologien sind bereit, die Koalitionen stehen — was fehlt, ist das Umsetzungstempo.
