An der ETH Zürich demontieren Studierende ganze Gebäude, erfassen jedes Bauteil digital und entwerfen daraus neue Strukturen. Das Lehrprojekt «Digital Creativity for Circular Construction» bringt Kreislaufwirtschaft direkt auf die Baustelle und verbindet Architektur, Ingenieurwissenschaften und Informatik.
Lernen auf der Baustelle
Eine alte Sporthalle wird zerlegt, Holzbalken mit dem Laserscanner erfasst, Fensterrahmen katalogisiert, Stahlträger ausgemessen. Was sonst auf der Deponie landen würde, ist hier der Ausgangspunkt für neue Entwürfe. Im ETH-Lehrprojekt «Digital Creativity for Circular Construction» untersuchen Studierende, wie sich Baumaterialien wiederverwenden lassen. Jedes Jahr steht ein anderes Gebäude im Mittelpunkt, das gemeinsam mit Praxispartnern auseinandergenommen, inventarisiert und neu gedacht wird.
Theorie und Praxis verzahnt
Entwickelt wurde der Kurs von Prof. Dr. Catherine De Wolf, die an der ETH zu zirkulärem Bauen und digitalen Planungsmethoden forscht. Rund 70 Prozent der Kurszeit verbringen die Studierenden mit praktischer Arbeit: Bauteile ausbauen, dokumentieren, in Entwürfe einbinden und schliesslich umsetzen. Daneben diskutieren sie die ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen.
Digitale Werkzeuge im Kreislaufbau
Lidar-Scanning, Photogrammetrie und 3D-Modellierung helfen den Teams, vorhandene Gebäude präzise zu erfassen. Mit Computer Vision und generativer KI analysieren sie die Bestände und entwickeln daraus Entwürfe. Virtual-Reality-Anwendungen visualisieren die Konstruktionen, CNC-Maschinen und andere digitale Fertigungsverfahren bringen sie in die physische Form. Viele dieser Technologien stammen direkt aus der Forschungsgruppe und fliessen laufend in den Unterricht ein.
Reale Projekte mit echten Auftraggebern
Die studentischen Arbeiten waren unter anderem in der Kunsthalle Zürich, an der Art Genève und an der Architekturbiennale in Venedig zu sehen. Aus den Entwürfen entstanden etwa Spielplatzkonstruktionen für eine Kita oder Versammlungsräume, die später als Hochzeitslocation, für Gemeindeanlässe oder als Gemeinschaftsgarten dienten. Materialien sind dabei nicht immer in der gewünschten Menge oder Form vorhanden, was die Teams zwingt, Entwürfe laufend anzupassen. Genau diese Erfahrung vermittelt, wie kreislaufgerechtes Planen unter realen Bedingungen funktioniert.
Quelle: ETH Zürich, Departement Bau, Umwelt und Geomatik (D-BAUG), 28. April 2026.
