Wohnungsknappheit, steigende Baukosten und Netto-Null-Ziele setzen die Schweizer Bauwirtschaft unter Druck. Das serielle, modulare Bauen rückt deshalb wieder in den Fokus: als Bauweise, die Tempo, Kostensicherheit und Kreislauffähigkeit verbindet. Aluminium leistet dabei einen wichtigen Beitrag.
Die Ausgangslage ist bekannt: Die Wohnbevölkerung der Schweiz dürfte bis 2045 die Marke von 10 Millionen Personen überschreiten, während die Baukosten zwischen 2020 und 2025 um durchschnittlich 15,8 Prozent gestiegen sind. Gleichzeitig verpflichtet das seit Anfang 2025 geltende Klimaschutzgesetz die Schweiz, ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 auf Netto-Null zu senken. Vor diesem Hintergrund erlebt eine Bauweise ein Comeback, die lange im Schatten des konventionellen Bauens stand.
Vom Prototyp zum Produkt
Beim seriellen Bauen werden einzelne Elemente weitgehend im Werk vorgefertigt und anschliessend auf der Baustelle montiert. Das Gebäude wird nicht mehr als individueller Prototyp betrachtet, sondern als Produkt. Standardisierte Prozesse und industrielle Vorfertigung verkürzen die Bauzeiten, erhöhen die Kostensicherheit und verbessern die Bauqualität. Zudem ermöglicht die systematische Erfassung der verbauten Materialien deren spätere Wiederverwendung, eine wichtige Voraussetzung für Zirkularität.
Auch die Branche greift das Thema auf: An der Swissbau 2026 widmete sich eine eigene Session der Frage, wie Modularisierung und Vorfertigung den Bauprozess verändern – mit Potenzial für CO₂-Einsparung, Zeit- und Kostenreduktion sowie höhere Planungs- und Bauqualität.
Warum Aluminium zum Modulbau passt
Der Werkstoff Aluminium bringt Eigenschaften mit, die im Modulbau besonders zum Tragen kommen. Sein geringes Gewicht reduziert den Transport- und Montageaufwand der vorgefertigten Einheiten, ein relevanter Faktor, wenn ganze Raumzellen per Tieflader angeliefert und mit dem Kran versetzt werden. Fassadenelemente, Fenster und Rahmenkonstruktionen aus Aluminium lassen sich im Werk präzise vorkonfektionieren und später sortenrein wieder demontieren.
Genau diese Trennbarkeit macht den Unterschied für die Kreislaufwirtschaft: Aluminium kann bei einem Rückbau ohne Qualitätseinbussen rezykliert und anschliessend neuen Verwendungen zugeführt werden. Der Recyclingprozess benötigt dabei nur etwa fünf Prozent der Energie, die für die Herstellung von Primäraluminium erforderlich ist. Modulbauten, die von Beginn an auf Demontierbarkeit ausgelegt sind, werden damit zum Materiallager für künftige Projekte.
Ausblick
Ob der Modulbau in der Schweiz sein Potenzial ausschöpft, hängt nicht nur von der Technik ab. Die gesellschaftliche Akzeptanz steht und fällt mit der gestalterischen Qualität und einer überzeugenden Einbindung in den städtebaulichen Kontext. Für Architekten, Bauherren und die Aluminiumbranche eröffnet sich hier ein Feld, in dem industrielle Effizienz und architektonischer Anspruch zusammenfinden müssen.

