Bei der Gesamtsanierung der denkmalgeschützten Schule für Gestaltung in Bern wird das Aluminium der alten Fassade aufbereitet und in den neuen Fassadenelementen wieder verbaut. Das Projekt zeigt exemplarisch, wie zirkuläres Bauen mit Aluminium in der Schweiz bereits heute funktioniert.
Das Architekturbüro Bünzli & Courvoisier saniert derzeit die zwischen 1968 und 1971 erbaute Kunstgewerbeschule von Willy Pfister sowie die 1940 eingeweihte Gewerbeschule von Hans Brechbühler. Die beiden denkmalgeschützten Gebäude erhalten dabei eine neue Fassade. Das markante Erscheinungsbild der ursprünglichen Wendefenster soll erhalten bleiben, während die Fassade zugleich die technischen und energetischen Standards eines zeitgemässen Schulbetriebs erfüllen muss.
50 Tonnen Aluminium bleiben im Kreislauf
Das Besondere an dem Projekt liegt im Umgang mit dem Bestandsmaterial. Rund 50 Tonnen alte Aluminiumprofile wurden aufbereitet. Das daraus gewonnene Material besteht zu mindestens 75 Prozent aus rezykliertem End-of-Life-Aluminium und weist einen Fussabdruck von 1,9 Kilogramm CO₂ pro Kilogramm Aluminium auf – rund 3,5-mal weniger als Primäraluminium im europäischen Verbrauchermix, wie Javier Pascual, Verkaufsleiter bei Wicona Schweiz, festhält. Für Alessandro Chidichimo, Geschäftsführer der Firma Geilinger, ist das Vorgehen nicht nur nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll für alle Beteiligten.
Technisch anspruchsvolle Lösung
Denkmalschutz und Energieeffizienz unter einen Hut zu bringen, verlangte eine Spezialentwicklung: Gemeinsam mit Wicona und in enger Abstimmung mit Architekten, Bauherr und Denkmalpflege entwickelten die Fassadenplaner ein Verbund-Wendefenster, bei dem ein innerer und ein äusserer Flügel über einen gemeinsamen Drehbeschlag mechanisch verbunden sind. In der dazwischenliegenden Kavität ist ein motorisierter Sonnenschutz verbaut, der sich witterungsgeschützt und wartungsarm betreiben lässt. Eingebunden ist das Wendefenster in eine geschosshohe Elementfassade; in die opaken Bereiche wurden Photovoltaik-Module integriert.
Vorbild für die Branche
Das Berner Projekt steht für einen Trend, der in der Schweiz an Dynamik gewinnt. Aluminium lässt sich unendlich oft wiederverwerten und benötigt im Recycling lediglich fünf Prozent der Energie von Primäraluminium. Oder wie es Fachleute auf den Punkt bringen: «Aus einer Fassade wird wieder eine Fassade.» Die Montage der neuen Fassadenelemente soll bis Ende August 2026 abgeschlossen sein, der Schulstart ist auf den Sommer 2027 geplant. Für Bauherren und Planende liefert das Projekt einen konkreten Beleg, dass Kreislaufwirtschaft mit Aluminium keine Zukunftsvision ist, sondern gebaute Praxis.
