Die öffentliche Hand gehört zu den grössten Bauherrinnen der Schweiz. Eine neue KBOB-Empfehlung zeigt, wie sie treibhausgasrelevante Baumaterialien gezielt nachhaltiger beschaffen kann. Für Hersteller emissionsarmer Aluminiumprodukte wird der Ökobilanz-Nachweis damit zum Wettbewerbsfaktor.
Die im März 2026 publizierte Empfehlung der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren (KBOB) zeigt Möglichkeiten auf, wie öffentliche Bauherren die Beschaffung treibhausgasemissionsrelevanter Baumaterialien gezielt nachhaltiger gestalten können. Am Beispiel von Bewehrungsstahl wird dargelegt, wie ökologische Anforderungen in Ausschreibungen integriert und emissionsärmere Produkte gefördert werden können. Das gewählte Beispiel ist Stahl, das Prinzip lässt sich jedoch auf andere emissionsintensive Materialien übertragen, allen voran Aluminium.
Vom Preiswettbewerb zum Nachhaltigkeitswettbewerb
Die Empfehlung steht in einer längeren Entwicklung. Mit der Totalrevision des Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen soll ein «Kulturwandel» im schweizerischen Vergaberecht eingeführt werden; bereits die KBOB-Empfehlung «Nachhaltiges Beschaffen im Bau – Teil Hochbau» liefert praxisnahe Hinweise, wie Nachhaltigkeit als Zuschlagskriterium in Ausschreibungen integriert werden kann. Nicht mehr allein der Preis entscheidet über den Zuschlag, sondern zunehmend auch der ökologische Fussabdruck der eingesetzten Materialien.
Die Ökobilanzdaten als Grundlage
Damit emissionsärmere Produkte in Ausschreibungen bevorzugt werden können, braucht es belastbare Daten. Diese liefert die KBOB/ecobau-Liste: Sie enthält Ökobilanzdaten zu Baumaterialien, Gebäudetechnik, Energiebereitstellung, Transporten und Entsorgungsprozessen und repräsentiert die durchschnittliche Umweltbelastung der auf dem Schweizer Markt abgesetzten Baumaterialien. Zusätzlich enthält die Liste herstellerspezifische Daten zu ausgewählten Baumaterialien. Die aktuelle Version 8.02 wurde im März 2026 publiziert, die nächste Überarbeitung der Daten ist auf Anfang 2027 angesetzt.
Für Aluminiumhersteller liegt hier eine konkrete Chance. Herstellerspezifische Daten basieren auf den tatsächlich gemessenen oder berechneten Ökobilanzdaten eines einzelnen Herstellers und unterscheiden sich damit vom Marktdurchschnitt. Wer emissionsarmes oder rezykliertes Aluminium anbietet, kann dies über einen eigenen Eintrag sichtbar machen und sich so vom Durchschnitt abheben. Der stetig steigende Aluminium-Recycling-Anteil, der aus rückgeführten Aluminiumfenstern und -fassaden erzielt wird, wirkt sich zudem positiv auf die Ökobilanzdaten in der KBOB-Liste aus.
Was das für die Praxis bedeutet
Öffentliche Ausschreibungen dürften künftig häufiger konkrete Treibhausgas-Anforderungen an Baumaterialien stellen. Architekten und Planende erhalten damit ein zusätzliches Argument, emissionsarme Aluminiumprodukte zu spezifizieren. Hersteller wiederum sollten prüfen, ob ihre Produktdaten in der KBOB/ecobau-Liste aktuell und vollständig hinterlegt sind. Der ökologische Nachweis wird im öffentlichen Bau vom freiwilligen Zusatz zum handfesten Vergabekriterium.
